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Otto Reutter
Hier finden Sie Informationen über Otto Reutters Leben, Anekdoten über ihn und eine Auswahl von Couplettexten von Reutter und Consorten.


Otto Reutter
Als Otto Pfützenreuter wurde er am 24. April 1870 in Gardelegen geboren. Über die Zeit, die dem Besuch der Volksschule folgte, berichtet Reutter in seiner Selbstbiographie: "Wollte zum Theater - Krach mit dem Vater - Kaufmann gelernt - heimlich entfernt"
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Es folgten Wander- und Lehrjahre, in denen Reutter als Bühnenarbeiter, Aushilfsdichter und Direktor eines Tingeltangels das Theater in all seinen Schattierungen, bis hin zur "Schmiere" kennenlernte. Vielfach der Not gehorchend, verfasste er bereits während dieser Zeit kleine Theaterstücke und erprobte seine Fähigkeiten als Vortragskünstler selbstverfasster Couplets. Ein Engagement am Berliner Apollo-Theater verhalf dem 25-jährigen zum Durchbruch. Seine geistsprühenden, aktuellen Couplets und seine Art aufzutreten unterschieden ihn so sehr von den damals üblichen "Kittneesen-Komikern", dass die Berliner erst erstaunt und verblüfft waren, dann aber begeistert dem rundlichen Wuschelkopf auf der Bühne zujubelten. Augenzeugen wissen zu berichten: "Reutter hatte sich nicht komisch kostümiert, war kaum geschminkt, trat dicht an die Rampe, legte die Hände über den Bauch und sang, ohne eine Bewegung zu machen, seine Couplets. Eins besser als das andere. Deftig, urwüchsig, witzig. - So etwas hatte man noch nicht erlebt"

Otto Reutter
Reutters Monatsgagen erreichten bald Carusosche Höhen. Sein Fleiß blieb indes der gleiche. Als Reutter am 3. März 1931 starb, hinterließ er über tausend mehrstrophige Couplets. Reutters künstlerische Begabung fand im kommentierenden, glossierenden und satirischen Couplet ihren unverkennbar eigenen Ausdruck. Die Perfektion seines Schaffens anerkannte Tucholsky 1921 in der "Weltbühne" mit den Worten: "Alles geht aus dem leichtesten Handgelenk, er schwitzt nicht, er brüllt nicht, er haucht seine Pointen in die Luft, und alles liegt auf dem Bauch. Ein Refrain immer besser als der andere - wie muss dieses merkwürdige Gehirn arbeiten, dass es zu jeder lustigen Endzeile immer noch eine neue Situation erfindet Und was für Situationen!"

Reutters schöpferische Unruhe, den großen und kleinen Begebenheiten auf der Spur zu bleiben, äußerte sich im ständigen Austauschen alter gegen neue aktuelle Verse. So manches Ereignis des Tages fand sich am Abend in einer Couplet-Strophe wieder.

Chronologisch geordnet, vermitteln Reutters Couplets aufschlussreiche Einblicke in das gesellschaftliche Leben der Zeit wilhelminischer Hochkonjunktur. Im Unterschied zu Kabarettisten wie Rudolf Nelson u. a., die überwiegend für das Amüsement der mondänen Welt schrieben, wandte sich Otto Reutter mehr den alltäglichen Ereignissen und dem Leben der werktätigen Schichten zu. Wenn er in Herr Neureich" bissig und satirisch die Borniertheit des emporgekommenen Bouillon-Fabrikanten enthüllt oder in anderen Couplets auf die herrschende Wohnungsnot, auf Steuererhöhungen anspielt und die ständigen Kabinettsumbildungen glossiert, so kam er damit dem Denken und Fühlen des werktätigen Volkes entgegen.

Otto Reutter
Aus anderen Couplets spricht die Humanität des Künstlers Otto Reutter, sein Streben, dazu beizutragen, dass sich die Beziehungen der Menschen untereinander menschlicher gestalten, ihnen zu helfen, veraltete Moralauffassung und Lebenshaltungen heiter zu verabschieden. Hinter dem, was da abläuft wie Wasser einen Berg herunter und gar nicht anders heißen kann - um mit Tucholsky zu sprechen -, verbirgt sich tiefe Menschenkenntnis und die einmalige Gabe, Aufgenommenes in Form eines humoristischen oder nachdenklich stimmenden Couplets wiederzugeben. Sei es der Gewissenhafte Maurer", der Blusenkauf" oder die Aufforderung Nehm' Se'n Alten" - es gab kein Thema, das Reutter nicht auf seine originelle Art umzusetzen verstand.

Wenn er uns auch nicht mehr gegenübertreten kann: Seine Stimme, seine Texte und seine Musik weisen ihn nicht nur als den Klassiker des aktuellen zeitkritischen Couplets zwischen 1895-1930/31 aus, sondern sie erfreuen uns heute nicht minder. - Und Otto Reutter? Könnte er diese Zeilen lesen, würde er die Hände über den Bauch falten, den Kopf schütteln und singen: "lck wunder mir über jar nischt mehr."



Otto Reutter
In Stamm- und Gästebücher geschrieben...

Otto Reutter
Sehr wenig erbaut war Reutter, wenn man ihm überall, wo er zu Gaste war, ein Erinnerungsbuch zum einschreiben vorlegte.
Als ihm einmal im Restaurant Skrivaneck, Berlin, ein Gästebuch vorgelegt wurde und man ihn bat, etwas hineinzuschreiben, blätterte er es durch und fand, dass nur ganz berühmte Opernsänger und Sängerinnen und große Schauspieler sich darin verewigt hatten.
Otto Reutter nahm schmunzelnd die Feder zur Hand und schrieb auf die letzte Seite des Buchs:
"Es ist in diesem Buch kein Mangel an Bühnensternen groß und klein, da muss für einen vom Tingeltangel das letzte Blatt genügend sein!"

In Mannheim im Metropol-Cafe legte ihm auch der Wirt sein Stammbuch hin, mit der Bitte, etwas zu dichten. Nachdem er die bereits vorhandenen "Gedichte" gelesen hatte, schrieb er:
"Wo solche Verse sinnlos walten, da kann ich kein Gedicht einschalten."
Kurz nach der Revolution 1918 schrieb Reutter dem Theatermeister des "Liebich-Variete" in Breslau in sein Gedenkbuch:
"Wir haben jetzt die Revolution, aus kleinen schuf man große Geister - drum pfeife auf die Direktion und schmus' mit dem Theatermeister."
Otto Reutter
Einer Tänzerin schrieb Reutter ins Erinnerungsbuch:
"Du hast etwas vom Elefanten, Kleinchen - das sind die kleinen Elfen-Beinchen!"
Bei einem Tanzgirl schrieb er:
"Wenn ich Dich seh', Du süße Puppe, ist mir die ganze Truppe schnuppe!"

Sogar die Truppenlehrlinge kamen zu ihm mit ihren Stammbüchern gelaufen und baten um eine Widmung. So schreibt er stöhnend einem der drei Lehrlinge der Patty-Frank-Truppe in sein Buch:
"Tu ja von Patty Frank nicht wandern, und sag es auch den beiden andern, sonst kriegt er wieder neue Knaben, die wiederum ein Stammbuch haben."

Dagegen konnte Reutter einem wirklichen Künstler gegenüber sehr schmeichelhafte Worte finden. So schrieb er dem bekannten Imitator Fred Marion in sein "Buch der Auserwählten", in dem sich u. a. auch Schaljapin, Trotzki, Lenin, Okito, Pegut, Rastelli, Aman und Rikisch verewigt haben, folgende Zeilen: "Als Imitator erster Klasse, bringst Du das Publikum in Rage, drum wünsch' ich Dir für Deine Kasse nie eine imitierte Gage. Und sollst Du mal durch's Leben schreiten, dann warte ruhig, bis die Zeiten so gut sind, wie Du selber bist!"
Otto Reutter
Keine Beerdigung ohne Kommentar
Reutters beißender Humor versiegte selbst im ernstesten Moment nicht, wie die beiden nachstehenden Episoden beweisen: Bei einer Beerdigung war auch Tom Jack, der Eiskönig, mit seinen schneeweißen Haaren erschienen. Reutter knurrte bei seinem Anblick: "Na, der hätte sich heute auch eine schwarze Perücke aufsetzen können..." In Stettin war die Frau eines Direktors gestorben. Als der Sarg unter der Erde war und der Pfarrer gesprochen hatte, drängelte sich ein sächsischer Komiker an Reutter etwas heftig vorbei, um dem Varietedirektor sein Beileid auszusprechen. Reutter hielt ihn am Ärmel fest und raunte ihm trocken zu: "Jetzt keine Offerte machen!"

Dumme Frage - dumme Antwort:

"Der Mittag" in Düsseldorf brachte in seiner Weihnachtsnummer 1929 drei Rundfragen an die männlichen Stars des Varietes und Brettls:

"lnwiefern ist die Frau der springende Punkt?" "Lieben Sie die Mädchen von Rhein und Ruhr?" "Welche Frauenrasse bevorzugen Sie?"

Der neunundfünfzigjährige Reutter antwortete voller Laune:

Otto Reutter
Lieber Mittag!
Für gewöhnlich pflege ich alle meine Korrespondenz meiner Frau in die Maschine zu diktieren. Deine indiskrete Umfrage zwingt mich jedoch, in Erwägung der sehr rückständigen ehelichen Moralbegriffe meiner Gattin, Dir insgeheim handschriftlich zu antworten. Noch heute bedeuten fur mich die Frauen den springenden Punkt im männlichen Leben. Ja, ich verzeihe ihnen sogar etliche Seitensprünge, obwohl ich selbst durch allzu voreiliges Erscheinen auf dieser schönen Welt am Mitspringen leider erheblich verhindert bin. Ich liebe noch heute die rassigen, temperamentvollen Frauen, deren Bein einem zu Kopfe steigt, wenn sie nach den Klängen der ohrenbetäubenden Jazzkapelle wild dahinstürmen (- meine Frau bevorzugt die Polonaise). Ich liebe noch heute, vor die Altersnative gestellt, die Sechszehn jährigen und die Siebzehngährigen (meine Frau wurde kurz nach unserer silbernen Hochzeit 29 -). Ich liebe noch heute in Gedanken die Schlanken und die Ranken (und vernachlässige meine Frau in vollem Umfange). Ich vergöttre selbstverständlich die Frauen von Rhein und Ruhr (meine Frau ist aus Ostpreußen). Ich schaute, als ich noch blond war, nach den Rothaarigen - als ich grau wurde, schwärmte ich für die Brünetten - und heute voller Weisheit - liebe ich die Schwarzen - (meine Frau ist blond -). Hoffentlich liest sie nicht den Mittag, sonst verdirbt sie mir den Abend.

Mit ergebenem Gruß!

Dein Otto Reutter.



Otto Reutter
Hier finden Sie Couplettexte von Otto Reutter & Consorten. Die Texte sind ausgewählt und umfassen die von HaWe Kühl vorgetragenen Strophen. Mundartliche Texte sind lautmalerisch verfasst. Es können auch Midi-Files oder Audio-Dateien der Couplets und Chansons erworben werden. Bitte nehmen Sie Kontakt mit mir auf.

Aber der Mann

Alles weg`n der Leut

Bevor du sterbst...

Bevor du sterbst - Vortext

Das ist leicht, das ist schwer

Der Blusenkauf

Der gewissenhafte Maurer

Der Überzieher

Ein bißchen Arbeit muss der Mensch doch haben

Ein Sachse ist immer dabei

Es geht vorwärts

Gräme dich nicht!

Herr Neureich oder der Kriegsgewinnler

Ich bin ein Optimiste...

Ick kann det Tempo nicht vertragen

Ick wunder` mir über jar nischt mehr... (1)

Ick wunder` mir über jar nischt mehr... (2)

In 50 Jahren ist alles vorbei

In der Bar zum Krokodil

Mensch, komm` bloß nicht auf die Welt

Mit der Uhr in der Hand

Nehm`n Se`n Alten!

Nu grade nich!

Sei modern...

Stroganoff

Und so kommen wir aus der Freude gar nicht raus

Wie reizend sind die Frauen

Wir lieben uns zu sehr


Konzerte



Das Repertoire von HaWe Kühl ist groß - er hat bereits acht abendfüllende Programme im Angebot:

"Ausgemerzt" - jüdische Künstler zwischen den Weltkriegen.
"Mit Gefühl und Wellenschlag" - HaWe Kühl und Rainer Lankau (Piano) präsentieren das Beste aus sechs Programmen.
"Ich bin so scharf auf Erika..." In diesem Programm erwarten Sie Chansons und Songs der wilden Zwanziger und frühen Dreißiger.
"Hafenträume" - in diesem Programm werden Musikliebhabern Chansons von Werner Richard Heymann, Norbert Schultze, Hanns Eisler bis Rammstein kredenzt.
"Sei modern!" - das mittlerweile dritte Programm HaWe Kühls, bei dem Musik und Texte von Otto Reutter im Mittelpunkt stehen.
"...singt eena uff'n Hof..." - das Tucholsky-Programm mit bekannten Vertonungen von Hanns Eisler, Friedrich Hollaender und Rudolph Nelson sowie Neuvertonungen von Bernhard Tuchel. »Tucholsky – ein bisschen frivol...«
"Ick wunder mir über jar nischt mehr..." - das zweite Otto-Reutter-Programm.
"Gräme dich nicht!" - das erste Otto-Reutter-Programm, mit dem alles begann.
Konzerte
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